Gelungen Kommunizieren mit der KLARA-Formel

Gelungen Kommunizieren mit der KLARA-Formel

 

Ziel der KLARA-Formel ist es, freundlich deutlich auf den Punkt zu kommen. Die Grundprinzipien der Gewaltfreien Kommunikation erlauben es, Klartext zu reden ohne den anderen zu verletzen: Egal ob ich lobe oder kritisiere – die KLARA-Formel stärkt die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern. Die einzelnen Buchstaben stehen jeweils für einen von fünf wichtigen Bestandteilen eines gelungenen Feedbacks.

1. K wie Konkrete Wahrnehmung

Im ersten Schritt geht es darum,  ein konkretes Fundament für das Feedback zu legen. Teil jedes Feedbacks ist auch eine Interpretation – doch  es gehört zum Charme der KLARA-Formel, dass man seinem Gegenüber einen konkreten Anhaltspunkt gibt, wie ich zu meiner Sicht der Dinge komme.

Es existieren verschiedene Möglichkeiten einer konkreten Wahrnehmung. Das könnten zum Beispiel sein:

  1. Zahlen, Daten, Fakten

Insbesondere in der Wirtschaftswelt liegt diese Herangehensweise nahe.  Ziele die zu einem bestimmten Zeitpunkt vereinbart wurden, Zwischenergebnisse.

Hilfreich sind hier Satzanfänge wie: „Ich sehe, höre, beziehe mich auf folgendes…“

  1. Selbstwahrnehmung

Auch Wahrnehmungen der eigenen Innenwelt können als Beginn eines Feedbacks genutzt werden.  So zum Beispiel der Satzanfang „Mich beschäftigt gerade folgendes…“. Auch wenn im 3. Schritt der KLARA-Formel explizit Gefühle reflektiert werden, kann auch mit einem Gefühl begonnen werden – etwa in der Art „Ich bin gerade unsicher, ob….“

  1.  Spiegeln

Ein sehr sicherer und wirksamer Einstieg in ein qualifiziertes Feedback ist die Wiederholung dessen, was der Gegenüber gesagt hat. Bekannt aus dem „Aktiven Zuhören“ sichert dieses auch Spiegeln genannte Vorgehen nicht nur das richtige Verständnis ab, sondern signalisiert zugleich Wertschätzung und Achtsamkeit.  Hier könnte die Formulierung „Sie sagten eben, dass….“ am Beginn stehen

2. L wie Lesart

Im zweiten Schritt der KLARA-Formel geht es darum, wie Sie die konkrete Wahrnehmung aus Schritt eins interpretieren. Wie deuten Sie die Fakten – welche Brille haben Sie auf?

Für eine gelingende Kommunikation sind folgende Punkte wichtig

  1. Sauber subjektiv

Achten Sie darauf, dass Ihre Lesart tatsächlich als subjektive Interpretation verstanden wird. Formulierungen wie „Ich vermute, glaube… / Aus meiner Sicht…“ geben dem Gegenüber die Möglichkeit, ohne sein Gesicht zu verlieren eine andere Sichtweise zu behalten.

  1. Fein Dosieren

Formulieren Sie Ihre Vermutungen und Interpretationen behutsam. Insbesondere bei kritischen Feedbacks kann die Verwendung von sogenannten „Weichmachern“ sinnvoll sein.

„Momentan erkläre ich mir das und so…“ klingt umgänglicher als „das kann nur einen Grund haben…“

  1. Tür offen halten

Die Formulierung „Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege…“ / „Bitte sagen Sie, wenn Sie es anders sehen…“ ist eine explizite Sicherheitsleine, um den Gegenüber nicht vor den Kopf zu stoßen. Auf diese Weise behält er die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge zu schildern und wird sich weniger wahrscheinlich angegriffen fühlen und die kommunikative Tür schließen.

3. A wie Ausgelöstes Gefühl

Gefühle finden immer statt.  Jede Interpretation eines Sachverhalts führt zu einem Gefühl irgendwo zwischen Begeisterung und Unwohlsein. Auch wenn es unüblich ist, diese Gefühle explizit anzusprechen – sie finden immer statt und werden nonverbal auch regelmäßig gelesen.

Folgende Punkte sind beim Ausdrücken des eigenen Gefühls wichtig:

  1. Authentizität

Seien Sie ehrlich. Sprechen Sie aus, was Sie bewegt – meist sieht und fühlt man es ohnehin schon. Es bringt nichts, sich zu verstellen – beeindrucken Sie stattdessen mit dem Mut zur Klarheit. Formulierungen wie „Das macht mich…“ „Ich fühle mich…“ helfen dabei, nicht verklausuliert irgendwelche Gedanken zu berichten, sondern dem Gegenüber offen den eigenen Gefühlszustand mitzuteilen.

  1. Gefühlshygiene

Die KLARA-Formel dient nicht nur der professionellen Übermittlung von Feedback, sie kann auch dabei unterstützen, seine eigene (Gefühls-)Situation zu reflektieren und eventuell zu ändern.

Authentizität ist ein hohes Gut, doch wenn Sie sich gerade wütend, zornig oder enttäuscht fühlen, lohnt sich – zumindest im professionellen Umfeld – ein kurzes Innenhalten und die Beschäftigung mit der Frage: Will ich mich jetzt so fühlen? Gefühle sind die Folge von Interpretationen. Wenn ich mich also nicht ent-täuschen lassen will, gilt es bei der Lesart nichts Unausgesprochenes zu erwarten. Sie entscheiden, ob Sie den Gegenüber Ihrem negativen authentischen Gefühl aussetzen oder ob Sie im Sinne der „Gefühlshygiene“ versuchen, in ein anderes Gefühl zu kommen. „Eigentlich bin ich gerade genervt, aber ich versuche neugierig zu sein darauf, welchen Reim mein Gesprächspartner sich auf die Situation macht.“

Prüfen Sie für sich, ob bei negativen Emotionen nicht das Wort „irritiert“ das „höchste der Gefühle“ darstellen kann, denn Worte wie „sauer“, „wütend“ oder „angepisst“ schlagen beim Gegenüber oft die Türe zu.

  1. Souveränität

Entspannte und zugleich entschiedene Gelassenheit ist ein hohes Gut. Voraussetzung dafür, jederzeit entspannt zu bleiben, ist die transparente Beschäftigung mit Konsequenzen. Statt in der Kindererziehung auszuticken,  wenn Sohnemann macht, was mir nicht passt, können klare Regeln dabei helfen, zu folgender Formulierung zu finden: „Das lässt mich entspannt auf die vereinbarten Konsequenzen hinweisen…“.

4. R wie Reaktion

Im vierten Schritt geht es darum, den Gegenüber nicht allein zu lassen mit meiner Meinung, sondern auch eine transparenten Wunsch zu äußern, zu dem sich der Gegenüber positionieren kann.

Je nach Beziehung zwischen den Gesprächspartner  gibt es in Verbindlichkeit und Deutlichkeit unterschiedliche Grade.

  1. Wunsch

Der Klassiker in der gewaltfreien Kommunikation. Nicht Vorwürfe werden geäußert, sondern Wünsche. Wichtig ist: Der Adressat des Wunsches sollte der Gegenüber sein – nicht irgendein unbeteiligter und auch nicht ich selbst. Also nicht: „Ich wünsche mir, dass ich dran bleibe….“. Zumindest im Kopf hilft die Formel „Ich wünsche mir von Dir…“

„Bitte lass(en Sie) uns…“, Mein Wunsch ist…

  1. Forderung

Wie beim Wunsch gilt: Hüten Sie sich vor falschen Konjunktiven a la „Mein Wunsch wäre…“ / „Ich würde mir wünschen…“. Verwenden Sie stattdessen Indikative wie

„Meine Erwartung ist…“ „Mein Wunsch an Sie lautet…“

  1. Frage

Viele Führungskräfte kennen die Macht der Frage und möchten gern eien Frage in die Feedbackformel einbauen. Letztlich ist auch eine Frage ein Wunsch nach Bitte um Antwort und lässt sich so sehr gut in die KLARA-Formel einbauen.  Wenn ich die Beziehungsebene stärken will, ist die Verwendung von offenen Fragen den geschlossenen Fragen vorzuziehen. Also: Was halten Sie von…? Statt „Finden Sie das gut?“

5. A wie Andernfalls

Mit dem zweiten A der KLARA-Formel verlassen wir die gewaltfreie Kommunikation im engeren Sinne. Und doch ist es überall dort wo Ergebnisse und Resultate zählen wichtig, auch Konsequenzen offen zu legen.

  1. Folgen offen legen

„Andernfalls werde ich…“ Viele  Formen des Zusammenseins profitieren von einer klaren Antwort auf die Frage „Was wenn nicht?“ Insbesondere bei der MAIK-Formel  wird deutlich, wie immens die Nachhaltigkeit von Vereinbarungen steigt, wenn über positive wie negative Konsequenzen gesprochen wird.

  1. Mächtig bleiben

Es geht nicht darum, zu drohen, sondern sich selbst vor Ohnmacht zu schützen. Um selbst souverän bleiben zu können, reicht es nicht, auf das Beste zu hoffen, sondern es gilt, auf das Schlimmste vorbereitet zu sein.  Nur mal angenommen, mein Gegenüber hält sich nicht an die Abmachung, erreicht das vereinbarte Ziel nicht – was dann? Hier geht es nicht um eine sich selbst erfüllende negative Prophezeiung, sondern um ein professionelles vorausschauendes Vorbereitetsein.

„Im eigenen Interesse möchte ich…“

  1. Wählen

Ein Problem ist meist eine nicht getroffene Entscheidung.  Zeichen einer reifen Persönlichkeit und einer reifen Kommunikation ist die Fähigkeit zur klaren Entscheidung.

„In diesem Fall werde ich mich neu entscheiden, inwiefern…“

 

 

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